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Kanada oder Deutschland: Wer hat das bessere Waffenrecht?

Ein Zuschauer fragt: Muss ich mich mit 70 Jahren auf einen Ringkampf einlassen? In Kanada nennt Section 34 des Strafgesetzbuchs Alter, Größe, Geschlecht und körperliche Fähigkeiten als Faktoren, die das Gericht abwägen muss.

Erscheint am 27.11.2026, 14:00 Uhr · Aktualisiert: 18.10.2026

Ein Zuschauer fragt: Muss ich mich mit 70 Jahren auf einen Ringkampf einlassen? In Kanada nennt Section 34 des Strafgesetzbuchs Alter, Größe, Geschlecht und körperliche Fähigkeiten als Faktoren, die das Gericht abwägen muss.

Dasselbe Land hat 2020 per Verordnung rund 1.500 Waffenmodelle verboten, auch legal gekaufte, nach einem Amoklauf, dessen Täter keine Lizenz hatte. Wir zeigen beide Seiten: Für gewöhnliche Langwaffen fragt Kanada nicht nach einem Bedürfnis, beim Bestand greift es per Verordnung durch. Und wir sagen ehrlich, wo Deutschland 2003 und 2008 ähnlich verfahren ist.

Die kanadische Amnestie sollte am 30. Oktober 2026 enden und wurde im Juni 2026 verlängert: Sie endet grundsätzlich 90 Tage nach Abschluss der Verfahren vor dem Supreme Court über das Verbot, ein Urteil wird für 2027 erwartet.

Folge 3 von 6 der Reihe Ländervergleich. Stand der Rechtsquellen: 17. Oktober 2026. Alle Folgen in der Playlist auf YouTube.

Quellen

  • Firearms Act, S.C. 1995, c. 39, ss. 5, 7, 23.2, 70
  • Criminal Code, R.S.C. 1985, c. C-46, s. 34
  • SOR/2020-96, Canada Gazette Part II, 01.05.2020
  • Bill C-21, S.C. 2023, c. 32
  • Mass Casualty Commission, Turning the Tide Together, Final Report, 30.03.2023
  • R. v. Khill, 2021 SCC 37; R. v. Faid, [1983] 1 S.C.R. 265; R. v. Forde, 2011 ONCA 592; R. v. Levy, 2016 NSCA 45; R. v. Cormier, 2017 NBCA 10
  • §§ 32, 33 StGB; §§ 8, 19, 45, 58 WaffG; BGH 2 StR 375/11

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Das Video zum Nachlesen

Wortlaut der geprüften deutschen Untertitel. Die Zeitangabe führt zur Stelle im Video.

0:00 In den Kommentaren unter einem unserer Videos fragt ein Zuschauer: Der Räuber hat ein Familienmitglied im Schwitzkasten. Muss ich mich dann mit 70 Jahren auf einen Ringkampf einlassen? Wir haben nachgelesen. Ausgerechnet in Kanada steht im Gesetz, dass Alter und Körperkraft dabei zählen. Und dasselbe Land hat 2020 auf einen Schlag rund 1.500 Waffenmodelle verboten, auch legal gekaufte. Wie das zusammenpasst und was in Deutschland gilt, dürfte manchen überraschen. Das ist Folge 3 unserer Reihe. 6 Folgen, jedes Mal ein anderer Vergleich mit Deutschland, Waffenrecht und Notwehr zusammen. Welche Länder das sind, habt ihr entschieden.

0:41 Wir haben die genommen, nach denen in den Kommentaren am häufigsten gefragt wird. Bisher erschienen sind die Folgen zur Schweiz und zu Tschechien. Heute geht es um Kanada. Danach kommen England und Wales, Italien, New York und Texas. Alle 6 sammeln wir in einer eigenen Playlist. Den Link findest du in der Videobeschreibung. Bevor wir zum Ringkampf kommen: Wie kommt man in Kanada überhaupt an eine Waffe? Für die Waffenlizenz prüft Kanada vor allem eins: Passt diese Person mit einer Waffe zur öffentlichen Sicherheit? So steht es im kanadischen Waffengesetz. Ist es sicherer, dass jemand keine Waffe hat, bekommt er keine Lizenz.

1:20 Für gewöhnliche Langwaffen gibt es keinen Bedürfnisnachweis wie in Deutschland. Eingeschränkte Waffen gibt es nur für bestimmte gesetzliche Zwecke, etwa Sportschießen oder eine Sammlung. Kurzwaffen können die meisten Privatleute inzwischen überhaupt nicht mehr neu erwerben. In Deutschland braucht man für jede erlaubnispflichtige Schusswaffe grundsätzlich ein Bedürfnis nach Paragraf 8 des Waffengesetzes. Geprüft werden unter anderem Vorstrafen, frühere Gewalt, Kontaktverbote und die Behandlung psychischer Erkrankungen, die mit Gewalt verbunden waren. Ein gerichtliches Waffenverbot, eine Schutzanordnung oder der begründete Verdacht häuslicher Gewalt schließen die Lizenz aus.

2:01 Dazu kommt grundsätzlich ein Sicherheitskurs mit Prüfung, für eingeschränkte Waffen ein zusätzlicher. In Deutschland prüft die Behörde alle 5 Jahre, ob das Bedürfnis noch besteht, und mindestens alle 3 Jahre die Zuverlässigkeit und die persönliche Eignung. Und jetzt der beliebte Kurzschluss: Lizenz in der Tasche, also Pistole am Gürtel. Eine Kurzwaffe zum Schutz im Alltag führen dürfen Privatleute in Kanada praktisch nie, nur in sehr seltenen Ausnahmen. Die Lizenz ist eben kein Generalschlüssel. Am 1. Mai 2020 hat die Regierung rund 1.500 Waffenmodelle samt Varianten verboten, per Verordnung, ohne neues Parlamentsgesetz.

2:43 Die Waffe im Schrank hatte sich über Nacht nicht verändert, ihre Einstufung schon. Strafbar waren berechtigte Altbesitzer nur deshalb nicht, weil es eine Amnestie gab. Als Anlass nennt die Regierung unter anderem den Amoklauf in Nova Scotia 2 Wochen vorher. Eine Untersuchungskommission hat den Fall bis 2023 aufgearbeitet. Ihr Ergebnis: Der Täter hatte keine Waffenlizenz und besaß mindestens 5 Waffen illegal. 3 davon hatte er aus den USA eingeschmuggelt. Getroffen hat das Verbot trotzdem auch Besitzer, die ihre Waffen mit Lizenz erworben hatten. Seitdem ist die Liste auf rund 2.500 Modelle gewachsen.

3:23 Die Regierung bietet den Besitzern eine Entschädigung an, die Teilnahme ist freiwillig. Bis Juni 2026 wurden mehr als 140.000 Waffen gemeldet, eingesammelt oder zerstört, Bestände von Händlern mitgezählt. Die Amnestie sollte am 30. Oktober 2026 enden. Im Juni 2026 hat die Regierung sie verlängert. Jetzt endet sie grundsätzlich 90 Tage nach dem Abschluss von 4 Berufungsverfahren vor dem Supreme Court, dem Obersten Gericht. Für die Entschädigung gelten eigene Fristen. Im Oktober 2022 kam ein zweiter Schritt, und der ist anders. Kurzwaffen wurden nicht verboten, aber der Neuerwerb wurde für die meisten Privatleute gestoppt. 2023 kam das ins Gesetz.

4:11 Wer eine Kurzwaffe rechtmäßig hat, darf sie behalten. Ausnahmen gibt es nur wenige. So werden es mit der Zeit immer weniger, ohne dass rechtmäßige Besitzer etwas abgeben müssen. Ihr Besitz bleibt erlaubt, nur der Nachschub ist abgedreht. Deutschland hat 2020 bei den großen Magazinen die Altbesitzer geschützt. Wer sie vor dem 13. Juni 2017 erworben und rechtzeitig angezeigt hatte, durfte sie behalten. Für später erworbene galt das nicht. Aber auch Deutschland hat schon legal besessene Waffen verboten. 2003 und 2008 mussten Besitzer bestimmter Vorderschaftrepetierflinten, also Pumpguns, diese unbrauchbar machen, einem Berechtigten oder der Behörde überlassen oder eine Ausnahmegenehmigung beantragen.

4:56 Eine Entschädigung gab es nicht. Kanada zahlt, England hat 1997 gezahlt, Deutschland damals nicht. Und jetzt zum Ringkampf. Alter und Kräfte zählen in beiden Ländern. Kanada verlangt, dass du vernünftigerweise von einem Angriff ausgehst, zum Schutz handelst und deine Reaktion insgesamt angemessen ist, Deutschland, ob deine Abwehr erforderlich und geboten war. In Section 34 des kanadischen Strafgesetzbuchs steht, was das Gericht abwägen muss. Dazu gehören wörtlich Größe, Alter, Geschlecht und körperliche Fähigkeiten der Beteiligten. Die Antwort auf die Frage vom Anfang: Auf eine aussichtslose Rangelei musst du dich nicht verweisen lassen, in Kanada nicht und in Deutschland auch nicht.

5:43 Das Gesetz verlangt keine Bewerbung für den nächsten Actionfilm. Welche Abwehr erlaubt ist, hängt aber weiter von der konkreten Gefahr ab. In Deutschland zählt das Alter bei der Erforderlichkeit, auch wenn du jemand anderem hilfst. Eine feste Rückzugspflicht gibt es in Kanada nicht. Ob du sicher hättest ausweichen können, kann aber mitzählen, auch zu Hause. Wer dazu alte Urteile zitiert, sollte aufs Datum schauen: Vor der Reform von 2013 galt anderes Recht. In Deutschland steht keine allgemeine Rückzugspflicht im Gesetz. Eingeschränkt sein kann die Notwehr aber etwa, wenn du den Angriff selbst provoziert hast. Außerdem bewertet Kanada dein ganzes Verhalten.

6:23 Ein Mann schoss 2016 2 Mal auf jemanden, der nachts an seinem Pick-up war. Der Supreme Court entschied 2021: Die Geschworenen müssen auch bewerten, was er vor den Schüssen getan hat. Deshalb gibt es einen neuen Prozess. Der letzte Moment steht also nicht allein auf der Bühne. Texas verbietet dem Gericht unter Voraussetzungen sogar, den unterlassenen Rückzug gegen dich zu verwenden. Kanada dagegen schaut auf den ganzen Ablauf. Bei 2 Fragen hat Deutschland Regeln, die Kanada so nicht kennt. Eine Regel, nach der eine Überschreitung der Notwehr aus Furcht straffrei bleibt, gibt es in Kanada nicht. Noch unter dem alten Recht stellte der Supreme Court 1983 eine Mordverurteilung wieder her.

7:06 Wer zu weit geht, landet also nicht automatisch bei einem milderen Delikt. In Deutschland kann nach Paragraf 33 des Strafgesetzbuchs straffrei bleiben, wer bei einem gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff gerade aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken die Grenzen der Notwehr überschreitet. Und bei der Putativnotwehr, also wenn jemand einen Angriff irrtümlich annimmt, hat er in Kanada nur Notwehr, wenn der Irrtum vernünftig war. In Deutschland wird er nicht wegen Vorsatz bestraft, wenn er sich über die Tatsachen irrt und in der vorgestellten Lage hätte schießen dürfen. Möglich ist dann noch eine Strafe wegen Fahrlässigkeit.

7:45 Und die Waffenlizenz nach einem erlaubten Schuss? In Kanada kann die Behörde sie aus einem guten und ausreichenden Grund widerrufen, bei häuslicher Gewalt muss sie es sogar. Dagegen kann man grundsätzlich binnen 30 Tagen vor Gericht gehen. In Deutschland prüft die Waffenbehörde, ob die Voraussetzungen der Erlaubnis weiter vorliegen, vor allem Zuverlässigkeit und persönliche Eignung. Ein erlaubter Schuss allein spricht nicht dagegen. Ein Freispruch schützt dich aber in beiden Ländern nicht automatisch. Unterm Strich: Für gewöhnliche Langwaffen verlangt Kanada keinen Bedürfnisnachweis. Der Kaufbeleg schützt aber nicht vor dem nächsten Verbot, und das hat Kanada in großem Umfang gezeigt.

8:25 Und bei der Notwehr nennt Kanada Alter und körperliche Fähigkeiten ausdrücklich im Gesetz. In Deutschland zählen sie ebenfalls, auch ohne ausdrückliche Regel. Wenn du zu dem Thema weitere Fragen oder Ergänzungen hast, schreib es bitte in die Kommentare, dann greifen wir es in einem unserer nächsten Videos gerne wieder auf. Danke. In Folge 4 fahren wir nach England und Wales. Norfolk, 1999. Ein Landwirt schießt nachts auf 2 Einbrecher. Einer stirbt, er ist 16 Jahre alt. Danach wurde in England jahrelang darüber gestritten, wie weit man gegen Einbrecher gehen darf. 2013 hat das Parlament Hausbewohnern bei der Notwehr mehr Spielraum gegeben. 3 Jahre später hat ein Gericht klargestellt, wo die Grenze liegt.

9:11 Darum geht es beim nächsten Mal. Bitte abonniere den Kanal und aktiviere die Glocke, um zukünftig keine Videos mehr zu verpassen. Wir haben auch einen WhatsApp-Kanal, den Link findest du in der Videobeschreibung. Auch da kündigen wir neue Videos an. Vielen Dank fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal, euer Team von Eduqore. Tschüss.

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