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Notwehr mit Schusswaffe! Drei Sätze, die jeder Sportschütze kennen muss.

Notwehr mit Schusswaffe: 3 Kernaussagen zur BGH-Entscheidung 3 StR 557/24 für Sportschützen, geprüft an § 32 StGB.

08.05.2026 · Aktualisiert: 20.06.2026

ELME-Episode zur BGH-Entscheidung 3 StR 557/24. 3 Kernaussagen zur Notwehr mit Schusswaffe für Sportschützen: Rechtswidrigkeit des Angriffs, Erforderlichkeit der Verteidigungshandlung und sozial-ethische Einschränkungen nach § 32 Abs. 2 StGB. Eingeordnet in den Maßstab der höchstrichterlichen Rechtsprechung.

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Wortlaut der geprüften deutschen Untertitel. Die Zeitangabe führt zur Stelle im Video.

0:00 Stell dir vor, du rennst. Hinter dir mehrere Männer. Sie haben Pistolen gezogen und zielen auf dich. Du drehst dich im Laufen um, ziehst deine eigene Waffe und schießt zurück. Du triffst einen. Genau das ist passiert. Duisburg, 4. Mai 2022, vor einem Restaurant. 3 Jahre später, im September 2025, urteilt der Bundesgerichtshof: Notwehr. Aber nicht alles war Notwehr, und genau das ist die spannende Geschichte. In den nächsten Minuten lernst du drei Dinge, die jeder Sportschütze über Notwehr im Kopf haben sollte: Wann du dich überhaupt verteidigen darfst, wie weit du dabei gehen darfst und ob es einen Unterschied macht, wenn die Waffe in deiner Hand eigentlich gar nicht da sein dürfte.

0:52 Alles aus diesem einen Urteil aus dem September 2025. Und los geht's. Frage 1: Wann darfst du dich überhaupt wehren? Du denkst vielleicht: erst, wenn der andere zuschlägt, erst wenn die Faust fliegt, vorher ist alles nur vorbeugend und damit verboten. Antwort: falsch. Der BGH sagt, ein Angriff ist schon dann gegenwärtig, wenn das Verhalten des Angreifers unmittelbar in eine Verletzung umschlagen kann. Du musst nicht warten, bis es wehtut. Denk an die Aufsicht am Schießstand. Wenn jemand die Pistole in eine falsche Richtung dreht, wartet sie auch nicht, bis der Schuss fällt. Sie greift ein, sobald die Bewegung in einen Schuss kippen kann.

1:38 Genau diese Logik. Aber Achtung: Die bloße Befürchtung, dass irgendwann etwas passieren könnte, reicht nicht. Es muss objektiv unmittelbar bevorstehen. Im Duisburger Fall war das der Moment, in dem die bewaffneten Verfolger nach gescheiterter Vermittlung mit gezogenen Schusswaffen auf die flüchtende Gruppe zukamen. Da war Schluss mit nur Befürchtung. Frage 2: Wie weit darfst du gehen? Hier sind viele Sportschützen unsicher. Schusswaffe gegen Faustangriff? Tödlicher Treffer überhaupt erlaubt? Die Antwort liegt in einem Wort: Erforderlichkeit.

2:16 Erforderlich heißt: das mildeste Mittel, das den Angriff zuverlässig stoppt. Der BGH bewertet das aus objektiver Sicht eines besonnenen Dritten in der Lage des Angegriffenen, und zwar ex ante, also so, wie sich die Situation im Moment der Tat darstellte. Wörtlich aus dem Urteil: Der Angegriffene darf das Abwehrmittel wählen, das die Gefahr endgültig beseitigt. Das schließt auch lebensgefährliche Mittel ein, aber nur in Ausnahmefällen und nur als letztes Mittel. Und jetzt der Punkt: Du musst nicht erst die zweifelhaften Sachen ausprobieren. Auf einen Kampf mit ungewissem Ausgang musst du dich nicht einlassen. Konkretes Beispiel: Wenn dich jemand mit einem Messer angreift und du eine Schusswaffe dabeihast, darfst du dich mit einem gezielten, potenziell tödlichen Schuss verteidigen, auch wenn du selbst ein Messer dabeihast. Du musst dich nicht auf einen Messerkampf einlassen, bei dem du nicht weißt, ob du ihn gewinnen kannst. Und in der Praxis sieht das so aus: Wenn die Lage es zulässt, geht es stufenweise. Androhung, Warnschuss, Zielwahl auf nicht tödliche Stellen und erst zuletzt der gezielte Treffer. Aber wenn die Angriffsintensität dir für eine mildere Stufe gar keine Zeit lässt, kannst du sofort gezielt schießen. Das ist kein Drehbuch, das ist ein Prüfraster. Eine zweite Schranke darfst du dabei nicht übersehen: die sogenannte Gebotenheit. Bei einem krassen Missverhältnis, klassisch der Schuss auf einen Apfeldieb, scheitert die Notwehr trotz Erforderlichkeit. Und auch ein Warnschuss ist juristisch der Einsatz eines lebensgefährlichen Mittels, mit Fehlschussrisiko.

4:08 Frage 3: Was, wenn die Waffe gar nicht legal war? Im Duisburger Fall war das so. Der Angeklagte trug eine halbautomatische Pistole, ohne dafür eine Erlaubnis zu haben. Viele denken: Dann ist es eh keine Notwehr. Wer illegal bewaffnet ist, hat das Notwehrrecht verspielt. Falsch. Der BGH sagt ganz klar: Der Verstoß gegen das Waffengesetz hat keinen Einfluss auf das Notwehrrecht. Aber, und jetzt wird es wichtig: Der Verstoß bleibt eigenständig strafbar. Stell dir das so vor: Wer seine Waffe ohne den nötigen Eintrag im Auto in Richtung Schießstand transportiert, hat den Tatbestand schon erfüllt, sobald die Waffe ins Auto kommt. Selbst wenn unterwegs ein Notfall passiert und der Schuss gerechtfertigt wäre, der Transport bleibt strafbar. Das nennt man Dauerstraftatbestand.

5:04 Paragraph 52 Absatz 1 Nummer 2 Buchstabe b Waffengesetz, fürs Protokoll. Im Duisburger Fall: Der Angeklagte wurde wegen Führens einer halbautomatischen Kurzwaffe verurteilt. Die Schüsse selbst waren Notwehr. Beides nebeneinander, beides rechtlich getrennt. Bevor du jetzt denkst: Cool, ich kann mit illegaler Waffe rumlaufen und mich später auf Notwehr berufen, eine wichtige Grenze. Der BGH sagt auch: Wenn du die Pistole nur einsteckst in der Hoffnung, dass du sie gleich schießen darfst, weil ein Angriff so heftig wird, kann das Notwehrrecht eingeschränkt werden. Aber die Hürde ist hoch. Drei Sachen müssen vorliegen. Erstens: Du musst dich vorher rechtswidrig oder zumindest sozialethisch fragwürdig verhalten haben. Zweitens: Dein Vorverhalten und der Angriff müssen zeitlich und räumlich eng zusammenhängen. Und drittens: Dein Vorverhalten muss den Angriff motiviert haben. Erst wenn alle drei festgestellt sind, schränkt sich die Notwehr ein. Im Duisburger Fall war keine dieser drei Sachen feststellbar. Der Angeklagte rechnete mit einer Auseinandersetzung, ja, aber er hatte sie nicht absichtlich provoziert, um schießen zu dürfen.

6:22 Schwächere Form: Wenn du den Konflikt zwar nicht provozierst, aber mitverursacht hast, kannst du Ausweichpflichten haben. Wichtig: Nicht jeder Schuss aus dem Duisburger Fall war Notwehr. Konkret zwei Fallgruppen, die rechtlich anders gewertet wurden. Erste Fallgruppe: Der Angeklagte D hat auch auf den Mitangeklagten K geschossen. K war einer aus dem Hells-Angels-Lager, hatte selbst eine Pistole und schoss während der Eskalation auf Ds Bruder. D wollte das stoppen, aber das Landgericht hat hier keine Notwehrlage des D angenommen, sondern Tötungsabsicht. Trotzdem keine Strafe wegen versuchten Totschlags, weil D von sich aus aufgehört hat weiterzuschießen, obwohl er gekonnt hätte. Das ist der strafbefreiende Rücktritt vom Tötungsversuch nach Paragraph 24 Absatz 1 Strafgesetzbuch.

7:23 Zweite Fallgruppe: Ein Querschläger des D traf einen unbeteiligten Zeugen am Oberschenkel. Hier gilt nicht Notwehr, sondern fahrlässige Körperverletzung, weil das Risiko eines Fehlschusses erkennbar war. Drei Schussabgaben, drei verschiedene rechtliche Bewertungen. Was heißt das jetzt für dich, wenn du legal mit Waffe unterwegs bist? Erstens: Du brauchst eine objektive Bedrohung. Bauchgefühl reicht nicht. Zweitens: Lebensgefährliche Mittel sind das letzte Mittel, aber nicht ausgeschlossen. Und drittens: Wenn du illegal bewaffnet bist, bleibt der Verstoß strafbar, auch wenn die Notwehr greift. Und über allem: Selbst wenn alles glatt war, dauert das Verfahren danach Wochen oder Monate.

8:09 Wer einen Schuss abgibt, muss damit rechnen. Drei Sätze zum Mitnehmen. Erstens: Du darfst dich verteidigen, bevor der erste Schlag fällt, aber nur, wenn der Angriff objektiv unmittelbar bevorsteht. Zweitens: Du darfst lebensgefährliche Mittel zur Verteidigung einsetzen, aber nur als letztes Mittel. Und drittens: Eine illegal mitgeführte Waffe macht die Notwehr nicht kaputt, kostet dich aber zusätzlich die Strafe für den Waffenverstoß. Das sind alles allgemeine Informationen und kein Ersatz für einen Rechtsanwalt.

8:45 Quellen unten in der Beschreibung: Volltext des Urteils, alle Paragrafen, alle Verweise. Wenn dich Waffenrecht interessiert: Kanal abonnieren, Glocke aktivieren, damit du nichts mehr verpasst. Vielen Dank bis hierhin fürs Zuschauen. Bis zum nächsten Mal. Tschüss. Und die KI-Stimme legt sich jetzt wieder hin. Bis dann.

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