Schweiz gegen Deutschland: Waffenrecht und Notwehr
In der Schweiz hat jeder sein Sturmgewehr im Schrank, und Notwehr ist dort viel freier als in Deutschland. So steht es in den Kommentaren unter unseren Videos.
Erscheint am 13.11.2026, 14:00 Uhr · Aktualisiert: 19.10.2026
In der Schweiz hat jeder sein Sturmgewehr im Schrank, und Notwehr ist dort viel freier als in Deutschland. So steht es in den Kommentaren unter unseren Videos. Wir haben nachgelesen: Ein Sturmgewehr behält nach dem Dienst nur, wer es auf Antrag übernimmt, und auch in der Schweiz ist Notwehr kein Freibrief.
Beim Erwerb verlangt die Schweiz für Sport, Jagd und Sammlung keinen Erwerbsgrund. Beim Tragen verlangt sie wie Deutschland einen besonderen Grund. Bei der Notwehr verlangt Artikel 15 des Schweizer Strafgesetzbuchs eine den Umständen angemessene Abwehr, Paragraf 32 des deutschen Strafgesetzbuchs eine erforderliche und gebotene. Dazu das Sturmgewehr: Eigentum des Bundes, private Übernahme nur auf Antrag mit Waffenerwerbsschein und Schießnachweis, Umbau zum Halbautomaten, 100 Franken.
Folge 1 von 6 der Reihe Ländervergleich. Stand der Rechtsquellen: 17. Oktober 2026. Alle Folgen in der Playlist auf YouTube.
Quellen
- Waffengesetz (WG, SR 514.54), Art. 5, 8, 9b, 10, 11, 26, 27, 28, 28d, 31, 32a
- Schweizerisches Strafgesetzbuch (SR 311.0), Art. 13, 15, 16
- Militärgesetz (MG, SR 510.10), Art. 114
- Waffenverordnung (WV, SR 514.541), Art. 47
- Verordnung über die persönliche Ausrüstung der Armeeangehörigen (VPAA, SR 514.10)
- Bundesbeschluss vom 28.09.2018 zur Richtlinie (EU) 2017/853, Referendum 19.05.2019, in Kraft 15.08.2019
- BGer 6B_810/2011 vom 30.08.2012; BGer 7B_13/2021 vom 05.02.2024
- §§ 16, 32, 33 StGB; §§ 4, 5, 8, 12, 13, 19, 36, 45, 58 WaffG; § 13 AWaffV; BT-Drs. 14/7758
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Das Video zum Nachlesen
Wortlaut der geprüften deutschen Untertitel. Die Zeitangabe führt zur Stelle im Video.
0:00 In den Kommentaren unter unseren Videos steht immer wieder derselbe Satz. In der Schweiz hat jeder sein eigenes Sturmgewehr im Schrank, und die Notwehr ist dort viel freier. Klingt, als gäbe es zum Schweizer Pass gleich ein Sturmgewehr dazu. Nur der Käse kostet extra. Wir haben nachgelesen, und was wir herausgefunden haben, dürfte den einen oder anderen überraschen. Ein Sturmgewehr nach dem Dienst zu behalten, ist an mehr Bedingungen geknüpft, als die meisten denken. Und bei der Notwehr zieht die Schweiz die Grenze anders, als viele denken. Das hier ist der Auftakt einer Reihe. 6 Folgen, jedes Mal ein anderer Vergleich mit Deutschland, Waffenrecht und Notwehr zusammen. Welche Länder das sind, habt ihr entschieden.
0:42 Wir haben die genommen, nach denen in den Kommentaren am häufigsten gefragt wird. Den Anfang macht die Schweiz. Danach kommen Tschechien, Kanada, England und Wales, Italien und zum Schluss New York und Texas. Alle 6 sammeln wir in einer eigenen Playlist. Den Link findest du in der Videobeschreibung. Fangen wir beim Kauf an. Für die meisten Schusswaffen brauchst du in der Schweiz einen Waffenerwerbsschein. Den stellt der Kanton aus. Der Schein gilt 6 Monate. Sport, Jagd und Sammlung gelten von vornherein als Grund. Nur wer die Waffe für etwas anderes will, muss den Erwerbsgrund angeben. Wer jetzt denkt, die Behörde will gar nichts wissen: falsch gedacht. Du musst mindestens 18 sein, und die Behörde prüft deine Vorstrafen.
1:25 Wer im Strafregisterauszug wegen einer Tat aus gewalttätiger oder gemeingefährlicher Gesinnung oder wegen wiederholter Verbrechen oder Vergehen steht oder erkennbar sich oder andere mit der Waffe gefährden könnte, geht leer aus. In Deutschland musst du grundsätzlich ein Bedürfnis nachweisen, als Sportschütze etwa mit Verein und regelmäßigem Training. Ein „ich hätte gern eine“ ist noch kein Bedürfnis. Für Erben gibt es Sonderregeln. Dazu prüft Deutschland, ob du zuverlässig und persönlich geeignet bist, also etwa ohne einschlägige Vorstrafen und nicht abhängig. Das regeln die Paragrafen 5 und 6 des Waffengesetzes.
2:03 Und du musst die Sachkunde nachweisen. Die verlangt die Schweiz für den Erwerbsschein nicht. Warum so genau? Die Begründung zum Waffengesetz von 2002 sagt es: So wenig Waffen wie möglich ins Volk. Manche Waffen gibt es in der Schweiz sogar ohne Erwerbsschein, etwa einschüssige und mehrläufige Jagdgewehre und bestimmte Handrepetierer. Für Ausländer ohne Niederlassungsbewilligung gilt diese Ausnahme nicht. Dann reicht im Regelfall ein schriftlicher Vertrag. Der Verkäufer prüft den Ausweis des Käufers und schickt innerhalb von 30 Tagen eine Kopie an den Kanton. Kürzerer Papierweg heißt aber nicht: ungeregelt. Erst kaufen, dann melden, das kennen in Deutschland die Jäger.
2:45 Mit Jahresjagdschein erwerben sie bestimmte Langwaffen und beantragen die Waffenbesitzkarte innerhalb von 2 Wochen danach. Und jetzt zum berühmten Sturmgewehr. Ja, zwischen den Diensten wird die persönliche Waffe grundsätzlich zu Hause verwahrt, wer will, kann sie hinterlegen. Sie gehört aber nicht dem Soldaten, sondern dem Bund. So steht es im Militärgesetz. Und nach dem Dienst heißt es auch nicht: Danke fürs Mitmachen, behalten Sie das Gewehr. Wer es will und nach den militärischen Regeln dazu berechtigt ist, stellt einen Antrag und legt einen Waffenerwerbsschein vor. Wer zum Zivildienst gewechselt ist, bekommt es zum Beispiel nicht.
3:23 Vorher prüft die Armee, ob etwas dagegen spricht. Dazu kommen 4 Bundesübungen mit dem Sturmgewehr in den letzten 3 Kalenderjahren. Und 100 Franken. Vorher baut die Armee das Sturmgewehr um. Aus dem Vollautomaten wird ein Halbautomat. Das Sturmgewehr im Schrank gibt es also wirklich. Die Geschichte dahinter passt nur nicht mehr auf einen Bierdeckel. Auch die Schweiz hat die EU-Waffenrichtlinie übernommen. Das Volk hat am 19. Mai 2019 zugestimmt. Seit dem 15. August 2019 sind halbautomatische Zentralfeuerwaffen mit großen Magazinen grundsätzlich verboten. Das gilt auch, wenn ein passendes großes Magazin nicht steckt, sondern nur mit der Waffe zusammen aufbewahrt oder transportiert wird.
4:09 Groß heißt bei Langwaffen mehr als 10 Patronen, bei Kurzwaffen mehr als 20. Verboten heißt im Waffenrecht aber nicht immer unmöglich. Sportschützen bekommen eine Ausnahmebewilligung. Nach 5 und nach 10 Jahren müssen sie nachweisen, dass sie im Verein sind oder regelmäßig schießen. Wer sein Sturmgewehr direkt aus dem Dienst übernimmt, braucht gar keine Ausnahmebewilligung. Deutschland hat die Richtlinie 2020 umgesetzt, mit Übergangsregeln für Altbestände. Das Magazin ändert an der Mechanik nichts, am Formular aber eine ganze Menge. Jetzt steht die Waffe legal im Schrank. Mit in die Stadt nehmen darfst du sie deshalb noch lange nicht.
4:50 Dafür brauchst du in der Schweiz eine Waffentragbewilligung. Die bekommt nur, wer die Voraussetzungen für den Erwerbsschein erfüllt, glaubhaft macht, dass er eine Waffe braucht, um sich, andere oder Sachen vor einer tatsächlichen Gefährdung zu schützen, und eine Prüfung besteht. Sie gilt höchstens 5 Jahre. Das ähnelt dem deutschen Waffenschein. Den bekommt eine Privatperson nach Paragraf 19 des Waffengesetzes nur, wer glaubhaft macht, dass er auch außerhalb der eigenen Wohnung durch Angriffe auf Leib oder Leben wesentlich mehr gefährdet ist als die Allgemeinheit, und wenn die Waffe geeignet und erforderlich ist, diese Gefahr zu mindern.
5:29 Wer sagt, in der Schweiz brauche man keinen Grund, denkt also an den Kauf. Zum Schießstand und zurück darfst du die Waffe ohne Waffentragbewilligung bringen. Waffe und Munition müssen dabei getrennt sein, in den Magazinen darf keine Munition stecken. In Deutschland darf die Waffe nach Paragraf 12 des Waffengesetzes dabei nicht schussbereit und nicht zugriffsbereit sein. Und die angeblich so freie Notwehr? In beiden Ländern braucht es zuerst einen rechtswidrigen Angriff, der gerade läuft oder unmittelbar droht. Für die Abwehr verlangt die Schweiz dann, dass sie den Umständen angemessen ist. So steht es in Artikel 15 des Schweizer Strafgesetzbuchs.
6:07 Dabei zählt auch, was auf beiden Seiten auf dem Spiel steht, zum Beispiel dein Eigentum gegen die Gesundheit des Angreifers. Das Ergebnis dieser Abwägung muss für den Angegriffenen aber auf einen Blick erkennbar sein, sagt das Bundesgericht. In Deutschland muss die Abwehr nach Paragraf 32 des Strafgesetzbuchs erforderlich und geboten sein. Eine Abwägung wie in der Schweiz verlangt das Gesetz nicht. Grenzen gibt es trotzdem, etwa bei einem krassen Missverhältnis oder wenn du den Angriff selbst provoziert hast. Vor einem Schuss fragen die Gerichte in beiden Ländern, ob ein milderes Mittel genauso sicher gewirkt hätte, etwa eine Androhung.
6:46 Eine feste Schussliste zum Abarbeiten gibt es aber nicht. Wo eine Grenze liegt, zeigt ein Urteil des Bundesgerichts von 2024. Ein Landwirt und seine Helfer hatten einen flüchtenden Eindringling überwältigt, gefesselt und in den Keller gesperrt. Dafür wurde der Landwirt auch wegen Freiheitsberaubung verurteilt. Andere kamen zurück, um den Gefangenen zu befreien, einer verletzte den Landwirt mit einer Mistgabel. Dann schoss der Landwirt mit Schrot auf sie. Die waren schon zurückgewichen und hatten Deckung gesucht. Seinen Körper griffen sie nicht mehr an, aber sie waren noch unbefugt auf seinem Hof. Das Gericht ging davon aus, dass sie damit sein Hausrecht verletzten und er sich dagegen wehren durfte.
7:28 Ob ihre Rückkehr als Hilfe für den Gefangenen erlaubt war, ließ es aus Verfahrensgründen offen. Jedenfalls durfte er nicht unkontrolliert auf Menschen schießen, die ihn nicht mehr bedrohten. Der Landwirt wurde wegen versuchter schwerer Körperverletzung verurteilt. Die Überschreitung der Notwehr brachte ihm eine mildere Strafe, entschuldigt war sie nicht. „Einbrecher auf dem Hof, also darf ich schießen“, so einfach ist es eben nicht. In Deutschland übrigens auch nicht. Wer bei einem echten Angriff zu weit geht, begeht einen Notwehrexzess, und der ist grundsätzlich strafbar. Beide Länder lassen ihn aber unter Voraussetzungen straffrei.
8:06 Die Schweiz bei entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff. Deutschland nach Paragraf 33 des Strafgesetzbuchs bei Verwirrung, Furcht oder Schrecken. Bloße Wut reicht in beiden Ländern nicht. Beim Landwirt sah das Gericht diese Voraussetzungen nicht. Wer einen Angriff nur irrtümlich annimmt, handelt in Putativnotwehr. Hätte die geglaubte Lage seine Abwehr erlaubt, wird er in beiden Ländern nicht wegen Vorsatz bestraft. War der Irrtum vermeidbar, droht eine Strafe wegen Fahrlässigkeit, sofern das Gesetz die Tat auch fahrlässig bestraft. Ob du nach einem Schuss weiter Waffen besitzen darfst, entscheidet in beiden Ländern die Waffenbehörde, getrennt vom Strafverfahren.
8:47 Die Tatwaffe kann zusätzlich das Gericht einziehen. Ein erlaubter Schuss allein nimmt dir die Waffen nicht. Ein Freispruch schützt dich aber auch nicht automatisch. Bei der Aufbewahrung verlangt die Schweiz Sorgfalt und Schutz vor fremdem Zugriff. Beim umgebauten Sturmgewehr kommt aber der Verschluss getrennt unter Verschluss. Das Sturmgewehr im Schrank ist also streng genommen unvollständig. Deutschland legt in der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung fest, welcher Sicherheitsschrank für welche Waffe reicht. Die Schweiz führt kantonale Waffenregister, die Behörden gemeinsam abfragen können. Deutschland hat seit 2013 ein zentrales Nationales Waffenregister.
9:27 Unterm Strich: Beim Kauf verlangt die Schweiz für Sport, Jagd und Sammlung keinen Erwerbsgrund. Beim Tragen ist sie ähnlich streng wie Deutschland. Und bei der Notwehr muss die Abwehr angemessen sein. Das Sturmgewehr im Schrank gibt es. Behalten darf es aber nur, wer es mit Schein, Schießnachweis, Umbau und 100 Franken übernimmt. Und auch mit dem Sturmgewehr ist die Notwehr kein Freibrief. Wer Kaufen, Tragen und Notwehr in einen Topf wirft, bekommt ein bequemes Länderbild, aber kein richtiges. Wenn du zu dem Thema weitere Fragen oder Ergänzungen hast, schreib es bitte in die Kommentare, dann greifen wir es in einem unserer nächsten Videos gerne wieder auf. Danke.
10:08 Beim nächsten Mal geht es ein Stück nach Osten, nach Tschechien. Dort gilt seit dem 1. Januar 2026 ein komplett neues Waffengesetz. Wer dort die erweiterte Waffenberechtigung hat, darf eine Kurzwaffe verdeckt führen, ohne eine Gefährdung nachzuweisen. Dafür will der Staat dort regelmäßig ein ärztliches Zeugnis sehen. Wie das zusammenpasst, klären wir in Folge 2. Bitte abonniere den Kanal und aktiviere die Glocke, um zukünftig keine Videos mehr zu verpassen. Wir haben auch einen WhatsApp-Kanal, den Link findest du in der Videobeschreibung. Auch da kündigen wir neue Videos an. Vielen Dank fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal, euer Team von Eduqore.
10:48 Tschüss.
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