Foto mit Waffe = Waffenbesitzkarte weg? Das aktuelle Urteil!
01.05.2026 · Aktualisiert: 19.05.2026
Verwaltungsgericht Düsseldorf, Az. 22 K 5508/23 (Sievers-Engler, Instagram-Posing). Ein Instagram-Foto mit Waffe in einer Pose kann den Widerruf der Waffenbesitzkarte nach § 45 Abs. 2 WaffG in Verbindung mit § 5 Abs. 1 Nr. 2 WaffG tragen. Die Episode arbeitet die Wertung des Gerichts heraus und zeigt, welche Aussagen vor Behörde und Verwaltungsgericht standhalten.
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Wortlaut der geprüften deutschen Untertitel. Die Zeitangabe führt zur Stelle im Video.
0:00 Stell dir vor, dein Kumpel ist zu Besuch. Er hat keine Waffenbesitzkarte, und du willst ihm deine Sammlung zeigen. Öffnest den Schrank, nimmst eine Pistole raus und gibst sie ihm in die Hand. Mal kurz halten, mal kurz anvisieren. Cool. Oder schnell ein Foto für Instagram. Klick. Frage: Hast du dich gerade strafbar gemacht? Kann das deine Waffenbesitzkarte kosten? Genau diese Frage hat das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschieden. Aktueller Fall, glasklare Antwort. Schauen wir uns an, warum.
0:39 Was war passiert? Er ist Sportschütze seit 2017, mit Waffenbesitzkarte. Sie hat keine Erlaubnis, und trotzdem posieren beide auf zwei Instagram-Profilen. Über ein Jahr lang mehr als ein Dutzend Bilder. Sie mit Kurzwaffe, beidhändig zielend Richtung Kamera. Sie mit Langwaffe, bläst Rauch von der Mündung weg. Patronen auf dem Tisch zu einem Schriftzug arrangiert, und auf etlichen Bildern die Töchter mit drauf. Juni 2021: Strafanzeige. Oktober 2021: Hausdurchsuchung. Strafverfahren am Amtsgericht Grevenbroich. Sie wegen Umgang ohne Erlaubnis, er wegen Überlassen an Unberechtigte.
1:36 Beide Verfahren werden eingestellt, nach Paragraph 153a der Strafprozessordnung, gegen Geldauflage. Und sie denkt sich: Strafverfahren weg, jetzt beantrage ich selbst eine WBK. Im Juni 2023 stellt sie den Antrag, aber die Behörde lehnt ab. Sie klagt und verliert. Warum sie verliert? Paragraph 4 Waffengesetz: Erlaubnis nur für Zuverlässige. Paragraph 5 sagt, wann jemand unzuverlässig ist, und bei der Klägerin gleich dreimal getroffen. Erstens: missbräuchliche oder leichtfertige Verwendung, Paragraph 5 Absatz 1 Nummer 2 Buchstabe a. Zweitens: nicht vorsichtiger oder sachgemäßer Umgang, Buchstabe b. Und drittens: gröbliche oder wiederholte Verstöße, Paragraph 5 Absatz 2 Nummer 5.
2:35 Und jetzt der Punkt, an dem viele falsch denken: Strafverfahren eingestellt heißt nicht freigesprochen. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung klargestellt. Strafverfahren bewerten die Vergangenheit, Waffenrecht prognostiziert die Zukunft. Das sind zwei verschiedene Welten, und im Waffenrecht reicht wenig für die Unzuverlässigkeit. Das Bundesverwaltungsgericht vom Januar 2015: Zitat „gewisse Wahrscheinlichkeit“ Zitatende für nicht ordnungsgemäßen Umgang, mehr nicht. Restrisiko muss niemand hinnehmen. Die Vorbildfunktion. Und hier wird das Urteil grundsätzlich. Ein Kernsatz wörtlich: Von einer zum Besitz erlaubnispflichtiger Schusswaffen berechtigten Person muss verlangt werden, dass sie sich der von Waffen ausgehenden Gefahren bewusst ist und dieses Gefahrenbewusstsein Dritten gegenüber deutlich zum Ausdruck bringt.
3:42 Übersetzt: Wenn du eine WBK hast, bist du Vorbild. Nicht Influencer, nicht Posing-Star, Vorbild. Wer mit der Waffe coole Posen macht, signalisiert das Gegenteil: Schau mal, easy, alles harmlos. Genau das darf eine WBK-berechtigte Person eben nicht. Und im oben genannten Fall wird's noch schärfer durch die Kinder im Bild. Zitat aus dem Urteil: Bei Kindern entsteht der Eindruck, eine Waffe sei eine Art Spielzeug, von dem keine weitere Gefahr ausgeht. Das ist Verharmlosung, und die kostet die WBK.
4:26 Zwei Mythen, die nicht stimmen. Im Hintergrund stecken zwei Gerüchte, die in Schützenkreisen einfach nicht aussterben wollen. Die juristische Aufarbeitung dazu liefert Dr. Adrian Sievers-Engler in der Württembergischen Schützenzeitung, Ausgabe 8/2025, Seite 30 fortfolgende. Mythos 1: Kurz in die Hand geben ist doch kein Überlassen. Stimmt nicht. Schon 1976 hat das Bayerische Oberste Landesgericht entschieden: Jedes Übergeben ist Überlassen. Punkt. Die enge Ausnahme: Du zeigst kurz vor, die Sachherrschaft bleibt bei dir. Aber posieren, da hält die andere Person die Waffe, richtet aus, posiert. Das ist Sachherrschaft übergeben, und das ist Überlassen.
5:28 Mythos 2: Vertrauenswürdige Personen dürfen kurz übernehmen, vor allem, wenn ich danebenstehe. Auch falsch, aber spannend, weil das sogar mal stimmte. 1971 stand das so im Bericht des Innenausschusses zum Waffengesetzentwurf. Damals durftest du Waffen einer vertrauenswürdigen Person zur Verwahrung oder zum Transport überlassen. Diese Ausnahme ist aber in der Novelle 2003 gestrichen worden. Heute entscheidet, wer vertrauenswürdig ist, ausschließlich die Waffenbehörde, durch Erlaubniserteilung nach Prüfung von Paragraph 5 und Paragraph 6, und nicht mehr dein Bauchgefühl.
6:18 Was doch erlaubt ist: Paragraph 12 Absatz 1 Waffengesetz listet die wenigen Ausnahmen auf, vier Fälle. Erstens: die vorübergehende Übernahme zwischen WBK-Inhabern. Zweitens: gewerbliche Waffentransporteure. Drittens: Schieß- und Jagdvereine. Da darf jemand als Besitzdiener mit der Waffe umgehen, aber nur unter Aufsicht eines Berechtigten. Und viertens: Schießen auf einer zugelassenen Schießstätte. Mehr nicht. Posing-Sessions im Wohnzimmer für Instagram stehen in keiner dieser vier Nummern, sind also nicht erlaubt. Zusammenfassung, drei Sätze zum Mitnehmen. Erstens: Posieren mit Waffe ist Verharmlosung der Gefahr. Reicht für die Unzuverlässigkeit: WBK weg, oder sie kommt erst gar nicht. So entschieden vom Verwaltungsgericht Düsseldorf am 23.
7:18 April 2025. Zweitens: Ehepartner, Kinder, Eltern, Freunde sind ohne eigene WBK Nichtberechtigte, egal wie nahe dir diese Person steht. Waffe in die Hand geben ist gleich Überlassen, auch fürs Foto. Und drittens: Die Einstellung des Strafverfahrens nach Paragraph 153a schützt nicht. Die Behörde bewertet selbst. Was du gepostet hast, bleibt Beweismittel. Seit der Novelle 2024 darf die Behörde das auch ausdrücklich: Paragraph 4 Absatz 6 Waffengesetz. Bottom Line: Wer Waffen ernst nimmt, behält sie. Wer sie zur Selbstdarstellung benutzt, verliert sie. Im privaten Umfeld hat nur ein Mensch Zugriff auf deine Waffen: du. Willst du Verwandte, Freunde, Kollegen mal probeschießen lassen? Schießstand.
8:19 Da ist es erlaubt, sonst nirgends. Und ein einziges Foto kann die WBK kosten. Die Klägerin im oben genannten Fall nimmt diese Lektion mit, ein Leben lang. Wenn dich Waffenrecht interessiert: Abonniere den Kanal, mach die Glocke an, damit dir nichts entgeht. Vielen, vielen Dank fürs Zusehen und bis zum nächsten Mal.
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